Ist Achtsamkeit mehr als ein Trend?

Ist Achtsamkeit mehr als ein Trend?
20/07/2017 Eva Bogner

Sophie erinnert sich an ihre erste Meditation. Es war ein sehr langsames Gehen in Stille. Ein Schritt mit Einatmen, im nächsten folgte das Ausatmen. Begleitet wurde dies mit “ICH” – “BIN”. Seitdem sind ca. 20 Jahre vergangen. Sie greift immer wieder dankbar auf dieses Tool zurück, um zur inneren Ruhe zu kommen und Frieden zu finden.

Die Erinnerung daran kommt zurück, als sie Anna trifft, die ihr von ihrem Besuch eines achtwöchigen Achtsamkeitskurses erzählt, auch Mindfulness-Based-Stress-Reduction oder kurz MBSR genannt.

Anna erlebt gerade eine sehr intensive Zeit: sie arbeitet viel, der Leistungsdruck ist sehr hoch und sie hat überdies noch Angst um ihren Arbeitsplatz. All das wirkt sich auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden aus. Um diesen Symptomen entgegenzuwirken, hat sie sich bei diesem Kurs angemeldet.

Sie erzählt vom Ursprung des Achtsamkeitstrainings. Jon Kabat-Zinn, ein US-Molekularbiologe, entwickelte in den 70er Jahren diese Übungen, um einen besseren Umgang mit Schmerz, Frustration und Sorgen zu erlangen. Dabei lernt man, die eigenen Grenzen auszuloten und ein Gefühl zu entwickeln, was guttut und welche Bedürfnisse man hat.

Ein weiteres Element des Achtsamkeits-Trainings ist eine geführte Körperreise. Dabei ist Anna zu Beginn immer eingeschlafen. Trotzdem hat sie dadurch erfahren, wie sie sich wirklich fühlt, wie müde und erschöpft sie ist.

Dann macht sie Yoga und Sinneswahrnehmungsübungen. Dabei konzentriert sie sich auf angenehme Ereignisse. Abschließend lernt sie den Umgang mit unangenehmen Erfahrungen und Stresssituationen.

Sophie fragt neugierig weiter, wie es ihr denn mit all dem Neuen geht. Ist das nicht auch wieder anstrengend und erzeugt Stress?

Nein, antwortet Anna, denn ihr ist durch die Übungen unter Einsatz all ihrer Sinne, wie Riechen, Schmecken, Hören, Sehen und Tasten bewusst geworden, dass jeder individuell Stärken und Schwächen hat. Wobei die als Schwächen abgestempelten Fähigkeiten, sich in unterschiedlichen Situationen zu Stärken wandeln können und umgekehrt. Weiter meint Anna, dass es ihr hilft wieder in Balance zu kommen, wenn sie der Einstellung oder Mindset folgt, einfach zu SEIN.

Der Geist ist aus dem Pendeln von der Vergangenheit in die Zukunft im JETZT zur Ruhe gekommen. Dadurch ist ein neuer Raum entstanden. Das fühlt sich gut an, beschreibt Anna. Dieses gute Gefühl stärkt sie und lässt sich auch immer wieder abrufen. Natürlich benötigt sie noch mehr Übung darin, auch nachsichtig mit sich selbst zu sein und sich Fehler zu erlauben. Positive und negative Gefühle kommen und wieder gehen zu lassen, ist Übungssache. Gibt es überhaupt Fehler, oder ist es einfach ein Lernprozess?

Anna erzählt von Tich Nhat Hanh, einem buddhistischen Mönch, der das Leben mit Achtsamkeit in der westlichen Welt bekannt gemacht hat. Es gibt darin auch die Einladung, einmal nichts zu tun. Sondern einfach zu SEIN.

Zu besonderer Achtsamkeit lädt die Liebe ein: die hohen Anforderungen und Erwartungen zu reduzieren, mit einem milderen Blick auf sich und sein Gegenüber zu schauen. Das beugt Enttäuschungen vor. Die Liebe in ihrem SO-SEIN zu akzeptieren, führt zu einem GLÜCKLICH-SEIN, das warmherzig, humor- und teilnahmsvoll ist. Unser Körper schüttet dann das Bindungshormon Oxytocin aus. Mit diesem Wissen fühlt sich Anna nun sicherer und ruhiger.

Es ist aber allzu natürlich, spricht Anna weiter, dass es bei auftretenden Problemen und Ängsten schwierig ist, achtsam zu bleiben. Das bedarf des Mutes und Trainings.

Im Alltag gibt es viele Übungsmöglichkeiten, bestätigt Sophie die Erzählung von Anna. Denn nicht nur in Beziehungen und Bedürfnissen, auch in der Ernährung, in der Kommunikation und im Beruf, hat die Philosophie der Achtsamkeit den Weg in unser Leben gefunden.

Sophie erinnert sich, dass sie vor ca. einem Jahr ihrem Chef von achtsamem Umgang mit Mitarbeitern und Kunden erzählt hat, und daraufhin nur einen verständnislosen Blick erntete. Heute ist die Reaktion sicher eine andere, eine hoffnungsvolle!

Impulsfragen zur persönlichen Reflexion

  1. Welche Erfahrungen haben Sie mit Achtsamkeit bereits gemacht?
  2. Wo wünschen Sie sich mehr Raum für Ihre Bedürfnisse?
  3. Welche Unterstützung benötigen Sie, damit Sie ihre Fähigkeit, in sich zu ruhen und aus ihrer Fülle zu schöpfen, nutzen können?
  4. Womit können Sie Ihre Lebensqualität steigern und verbessern?
  5. Was ist Ihr erster und nächster Schritt zur Achtsamkeit?

Gönnen Sie sich eine kurze oder längere Auszeit, um von Ihrem aktuellen Lebenstandpunkt aus weiter zu gehen. Gerne begleite ich Sie Expertin für private und beruflichen Innovationen bei Ihrem Vorwärtskommen und Ihrer Entwicklung.

Zur Unterstützung wählen Sie aus dem VICOCO Angebot unter http://www.vicoco.at  oder schreiben Sie mir an eva.bogner@vicoco.at

BLAUER SCHMETTERLING

Flügelt ein kleiner blauer Falter vom Wind verweht, ein perlmutterner Schauer, glitzert, flimmert, vergeht.   So mit Augenblicksblinken, so im Vorüberwehn sah ich das Glück mir winken, glitzern, flimmern, vergehn. (Hermann Hesse)